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Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung,
17. Februar 2002

Diepgen gestürzt

CDU für Nooke als Spitzenkandidaten

mk. Berlin. Die Landesvertreterversammlung der Berliner CDU hat am Samstag dem ehemaligen Regierenden Bürgermeister Diepgen die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl versagt. Diepgen verzichtete daraufhin auf weitere Kandidaturen auf hinteren Plätzen und legte den Landesvorsitz der CDU nieder, den er erst im Mai abgeben wollte. Mit den Stimmen von zwei Dritteln der Versammlung wurde der Bundestagsabgeordnete Nooke zum Spitzenkandidaten gewählt.

Vergebens hatten der Fraktionsvorsitzende der CDU im Abgeordnetenhaus, Steffel, und der ehemaligen Parlamentspräsident Führer während der Sitzung Diepgen aufgefordert, Nooke den Vortritt zu lassen und auf die Spitzenkandidatur zu verzichten. Ein in der Berliner CDU unbekannter Gegenkandidat Diepgens, der Beauftragte des Landes Baden-Württemberg für Bildung und Forschung in Berlin, Georg Eickhoff, zog seine Bewerbung zurück, als sich Chancen für Nooke abzeichneten.

Die Parteiführung hatte die Auseinandersetzungen um die Spitzenkandidatur, die seit Monaten in der Berliner Union schwelten, offenbar nicht gütlich zu beenden vermocht. Erst verdrängte Diepgen den Bundestagsabgeordneten Nooke aus dem Wahlkreis Mitte, Nooke wich nach Pankow aus. Dann beanspruchte Diepgen den Spitzenplatz auf der Landesliste. Dem stimmte der Landesvorstand Anfang der Woche zu, wenn auch mit knapper Mehrheit. Nooke verzichtete auf eine Kampfabstimmung. Vor einer Brüskierung Diepgens schreckte die Parteiführung zurück; man wollte – wohl auch, weil kein geeigneter Kandidat dafür in Sicht ist – eine Vakanz im Landesvorsitz vermeiden. Eine Bürgerinitiative um den Kunsthändler Bernd Schultz appellierte in den Tagen vor der Vertreterversammlung in offenen Briefen an Diepgen und die Delegierten, die umstrittene Spitzenkandidatur nicht weiter zu betreiben. Die Kritik dieser Gruppe hatte Diepgen als "Klugscheißerei" abgetan.