Gesprächskreis Hauptstadtunion
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Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung,
17. Februar 2002

Das Ende einer Berliner Ära

Von Mechthild Küpper

Wer an Gerechtigkeit auf Erden glauben möchte, hat in Berlin Ermutigung erfahren: Ausgerechnet den ehemaligen DDR-Bürger und ehemaligen Grünen Günter Nooke hat die Berliner CDU zum Spitzenkandidaten gewählt – statt Eberhard Diepgen. Der ist jetzt auch ein Ehemaliger, als Regierender Bürgermeister und, weil ihn seine Partei nicht auf Platz eins der Landesliste für die Bundestagswahl gesetzt hat, als Landesvorsitzender. Was die Partei seit dem horrenden Stimmenverlust bei der Wahl im Oktober nicht vermocht hat, erledigte die Basis an einem Vormittag: Erst fand sich ein "Neuberliner", der die Gegenkandidatur auf sich nahm. Dann ermannten sich drei Parteifreunde und forderten ihn auf, seinen Anspruch auf die Spitzenkandidatur aufzugeben. Die Delegierten der Landesvertreterversammlung ließen Diepgen schließlich durchfallen.

So ging die Ära Diepgen zu Ende. Sie dauerte fast zwanzig Jahre lang. Der Jetlag, unter dem Berlin seit dem Mauerfall litt, ist vorbei. Nun muss die CDU ankommen im wiedervereinigten Berlin, muss "Hauptstadt-Union" werden. So nennt sich ein Gesprächszirkel, den der Bundestagsabgeordnete Nooke kürzlich ins Leben rief; nun muss der Spitzenkandidat Nooke mit der Arbeit anfangen.

Was war die Ära Diepgen und weshalb dauerte sie so lange? Diepgens – und Landowskys – CDU war eine Partei, die umstandslos die Politik der Volksbeglückung weitertrieb, die schon die SPD unter Stobbe 1981 an ein vorläufiges Ende befördert hatte. Die Berliner Union hatte kein Programm, nur die Überzeugung, dass sie die beste Volkspartei war, weil sie allen etwas abgeben konnte. Das den Berlinern so vertraute Leben auf Pump beruhte auf Angst vor allem Neuen, auf Furcht vor der Zukunft. Die CDU-Führung der Stadt war anderen Verhältnissen nicht gewachsen. Sie konnte sich dabei auf die Zustimmung des Wahlvolkes und auf die SPD stützen. Der Fall der Mauer hatte solcher Politik die Geschäftsgrundlage entzogen.

Am Samstag endlich hat die Berliner CDU ihrer Führung das Mandat entzogen, weiter so zu agieren. Für die West-Berlinisch geprägte CDU kommt einer wie Nooke wahrhaftig von weit her. Das ist, so muss man formulieren, gut so.