Gesprächskreis Hauptstadtunion
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Frankfurter Allgemeine Zeitung,
18. Februar 2002

Im Graben

Dt. Welches Signal hätte die Berliner CDU mit einem Spitzenkandidaten Diepgen aussenden wollen? Zurück zur alten Berliner Gemütlichkeit? Oder die Botschaft, daß sich die CDU auch von massiven Wählerverlusten nicht beirren läßt? Die Verluste hatte zwar nicht Diepgen, sondern Frank Steffel eingefahren, doch es war die Diepgen-CDU, die damit abgestraft wurde. Deshalb war es eine fatale Idee, einen "im Felde ungeschlagenen", von rot-roten "Putschisten" aus dem Amt gedrängten Bürgermeister abermals als Nummer eins zur Bundestagswahl zu präsentieren.

Diepgen hätte es sich ersparen können, von der eigenen Basis demontiert und dafür vom Regierenden Bürgermeister Wowereit auch noch heuchlerisch in Schutz genommen zu werden: "Diesen Stil hat Diepgen nicht verdient." Wer die Warnzeichen am Wegesrand permanent übersieht, landet nicht unverdient im Graben. Diepgen ignorierte sie, als sich im vergangenen Jahr Landowskys Spendenaffäre zum Skandal auswuchs, und er hätte auch die schwere Krise der Bankgesellschaft noch ausgesessen, wenn die SPD nicht die Gelegenheit zur Koalitionsflucht ergriffen hätte. Auch als Vorsitzender einer zur 24-Prozent-Partei geschrumpften CDU war Diepgen sich allzu sicher, daß man auf einen Mehrheitsbeschaffer wie ihn nicht verzichten könne. Er hatte die Macht, den ehemaligen Bürgerrechtler Nooke aus seinem Wahlkreis zu verdrängen, aber nicht das Gespür, zu merken, wie er sich damit als Vorkämpfer der inneren Einheit desavouierte. Ebenso entging ihm, wie sehr es seiner Partei auf die Nerven ging, daß er immer mehr mit seiner Popularität bei den Berlinern kokettierte.

Zwar sieht es nun so aus, als sei ausgerechnet der Wahlverlierer Steffel der Sieger dieses Aufstands der Basis. Doch Steffel kann sich keineswegs sicher sein, daß er vom Landesparteitag demnächst als Nachfolger Diepgens auf den Schild gehoben wird. Vielmehr haben sich an diesem Wochenende erstmals die Neu-Berliner nach vorn geschoben. Hinter Nooke standen weniger die Kreisvorsitzenden, die Steffel statt Schäuble zum Spitzenkandidaten ausgerufen hatten, sondern jene, die darauf dringen, daß die Berliner CDU endlich ihrer Hauptstadtrolle gerecht wird. Und das gibt immerhin Anlaß zu Hoffnungen.