Gesprächskreis Hauptstadtunion
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Tagesspiegel, 19. Februar 2002

CDU Berlin

"Wir haben zu lange gewartet, was sich in Berlin entwickelt"

Georg Eickhoff will die Neuberliner in der CDU in Stellung bringen


Überraschend ist beim Landesparteitag der CDU ein Gegenkandidat zu Eberhard Diepgen aufgetaucht: Georg Eickhoff, 36 Jahre, Historiker und Bildungsbeauftragter der baden-württembergischen Landesvertretung in Berlin. Eickhoff zog zwar noch vor den Wahlgängen seine Kandidatur zurück - doch die Rebellion hatte bereits begonnen.

Eickhoff versteht sich selbst als ein Vertreter derjenigen Neulinge in der Berliner CDU, die mit dem Regierungsumzug in die Stadt gekommen sind. Er, der schon in Berlin studiert hatte, ist seit einem Jahr im Landesverband aktiv. Am Donnerstag vergangener Woche haben sich diese "Neuberliner Hugenotten" im Fraktionsvorstandssaal der CDU im Reichstag erstmals im größeren Rahmen zum "Gesprächskreis Hauptstadtunion" versammelt. Etwa 60 bis 70 Christdemokraten sind zu dem Treffen der Gruppe - initiert von Günter Nooke, Peter Kurth und Joachim Zeller - gekommen. Doch "wir sind mehr" sagt Eickhoff selbstbewusst. Man treffe sich tagtäglich im Bundestag, laufe sich bei Arbeitstagungen über den Weg. Insgesamt zählt Eickhoff in den Bundesministerien, in der Fraktion, an die 1000 Unions-Christen zu den Hugenotten. Diese Woche will man die Geschehnisse des Wochenendes auswerten.

Herr Eickhoff, haben Sie mit Ihrer Kandidatur erreicht, was Sie erreichen wollten?

Ja. Ich wollte, dass Günter Nooke auf Platz 1 der Landesliste steht. Und dort steht er. Ich wollte außerdem, dass die Berliner CDU offen diskutiert. Sie hat sehr offen diskutiert.

War das ein Alleingang?

Das war im Kreisverband besprochen.

Und wie waren die sonstigen Reaktionen?

Wir haben Erstaunen geerntet. Man tendiert hier dazu, die Ost-Kreise zu unterschätzen.

Zählen Sie sich außer zur Ostberliner CDU auch zu einem Flügel der Partei?

Flügel würde ich das nicht nennen. Ich gehöre zu den Leuten, denen es sehr wichtig ist, dass die Berliner CDU in der Bundeshauptstadt ankommt und Bundespolitik zu ihrer eigenen Sache macht.

Ist jetzt etwas gewonnen?

Es ist ein neuer Stil in der CDU spürbar.

Ist auch etwas verloren gegangen?

Die Angst vor den Kungelrunden ist weg.

Das Problem der Berliner CDU besteht doch nicht nur aus Kungelrunden und Stilfragen ...

Natürlich, eine niederschmetternde Wahlniederlage bleibt nicht im Hemd stecken. Die Berliner CDU muss sich neu aufstellen.

Haben Sie und die anderen Bundespolitiker sich nicht auch zu wenig eingebracht?

Wir haben sicher zu lange gewartet, was sich in Berlin entwickelt.

Sind Sie mit Ihrem Engagement ein Einzelphänomen unter diesen "Neuberlinern"?

Wir sind durchaus viele Leute. Doch man muss doch erst auch untereinander reden und dann gemeinsam öffentlich vorgehen. Meine Telefone laufen jetzt heiß.

Welche Rollen spielen sie in der CDU-Berlin?

Die Leute sind noch nicht in den Ämtern. Genau dieser Prozess, neue Leute zu integrieren, muss jetzt in Gang kommen.

Stehen von Ihnen auch Personen für Ämter wie den Landesvorstand zur Verfügung?

Ja sicher.

Wer denn?

Das müssen die Leute selbst kundtun.

Was ist mit Ihnen selbst?

Ich bin Direktkandidat in Lichtenberg. Das drückt doch bereits aus, dass ich mich auch im Landesverband engagiere.

Das Interview führte Barbara Junge