Gesprächskreis Hauptstadtunion
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Berliner Zeitung, 25. Februar 2002


Die Hugenotten

Zum ersten Treffen kamen 70 CDU-Mitglieder

von Tobias Miller

Christoph Stölzl ist auch der Kandidat der "Neuberliner Hugenotten". In der Gruppe sind CDU-Mitglieder, die mit dem Regierungsumzug in die Hauptstadt gekommen sind. Bislang haben sie sich kaum zu Wort gemeldet. Die Partei Diepgens war ihnen zu provinziell. Zwei Tage vor seinem Sturz trafen sie sich das erste Mal im Fraktionsvorstandssaal der CDU im Reichstag und gründeten den "Gesprächskreis Hauptstadtunion."

Die Mitglieder nennen sich auch noch "Neuberliner Hugenotten". Nicht nur, weil sie nach Berlin gekommen sind, es ist auch programmatisch gemeint. Die Hugenotten waren protestantische Glaubensflüchtlinge, die Ende des 17. Jahrhunderts zu Tausenden in die Stadt kamen. Sie flohen vor der Verfolgung im katholischen Frankreich. Mit ihnen begann der wirtschaftliche und kulturelle Aufstieg Berlins.

Georg Eickhoff (36), Bildungsreferent der Baden-Württembergischen Landesvertretung, ist einer der neuen "Hugenotten". Er löste auf der Landesvertreterversammlung die Debatte über Diepgen aus. Der Rücktritt folgte. Profitiert hat davon der Berliner Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, Günter Nooke. Er gehört zu den Initiatoren des Gesprächskreises. Anfang der Woche hatte er sich als erster prominenter CDU-Mann für Stölzl als Landesvorsitzenden stark gemacht.

Auf rund 800 CDU-Mitglieder wird die Zahl der Zuzügler geschätzt. Sie kamen unter anderem mit den Lobby-Verbänden der Wirtschaft. Sie arbeiten aber auch in den Landesvertretungen, der Reichstagsverwaltung und in Bundesministerien. Zum ersten Treffen kamen etwa 70 Leute. Eingeladen wurde per Telefon, E-Mail und im direkten Gespräch. Die Zuzügler kennen sich, begegnen sich ständig bei der Arbeit. Außerdem sind viele bei den so genannten "CDU-Freundeskreisen in den Ministerien" dabei. Die gründeten sich das erste Mal in den 70er Jahren, als mit Willy Brandt und Helmut Schmidt die SPD den Bundeskanzler stellte. Parteiintern werden die Kreise "Betriebskampfgruppen" genannt.

Der "Gesprächskreis Hauptstadtunion" sei keine weitere Kungelrunde, sagte Eickhoff. Demnächst will man Foren zu politischen Einzelfragen" wie Obdachlosigkeit organisieren. Die "Hugenotten" seien keine Konkurrenz zum Landesverband. Bislang verzichtet man aber fast auf die Unterstützung durch Ur-Berliner. Die West-Berliner CDU habe sich viel zu lange mit sich selbst beschäftigt, sagte Eickhoff. Auch die müsse endlich in der Hauptstadt ankommen. Der ehemalige Finanzsenator Peter Kurth, der ebenfalls bei dem Gründungstreffen dabei war, formuliert es so: Es gehe darum, die reiche politische Erfahrung der Bonner zu nutzen.

Günter Nooke war der erste der "Hugenotten", der sich für Stölzl stark gemacht hat. Der frühere Kultursenator gilt bei ihnen als "geistige Führungsfigur", die bundesweit prominent werden könnte.