Gesprächskreis Hauptstadtunion
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Welt am Sonntag, 9. März 2003

Ist im CDU-Vorstand Platz für die „Hugenotten"?

Im Mai wird die neue Landesspitze der Berliner Union gewählt

von Karsten Hintzmann

Berlins CDU befindet sich mitten in der personellen Neuaufstellung, die auf dem Landesparteitag am 24. Mai mit der Wahl des Landesvorstandes abgeschlossen werden soll. Während sich nach den Entscheidungen in den Ortsverbänden bereits die Konturen des Personaltableaus auf Kreis- und Landesebene abzeichnen, ist bislang völlig offen, wie Berlins Christdemokraten mit einer 350 Köpfe starken Gruppierung umzugehen gedenken, die sich auf Grund ihres intellektuellen Potenzials immer weiter in den Vordergrund schiebt: die so genannten Hugenotten. Der „Gesprächskreis Hauptstadtunion", wie die Vereinigung der „Hugenotten" offiziell heißt, wurde vor gut einem Jahr von CDU-Mitgliedern ins Leben gerufen, die es durch den Umzug von Bundesregierung und Bundestag aus den alten Bundesländern in die Hauptstadt verschlagen hat.

Als die „Hugenotten" noch ein kleines, versprengtes Grüppchen waren, ging die Berliner CDU völlig unverkrampft mit den Neuankömmlingen um. Bestes Beispiel dafür: Günter Nooke, der sich an die Spitze der „Hugenotten" stellte, obwohl er als in Berlin lebender Ex-DDR-Bürgerrechtler keines der klassischen Herkunftsmerkmale der Zugereisten vorzuweisen hatte, avancierte zum Bundestagsspitzenkandidaten der Berliner CDU.

Doch je größer die Bewegung wurde, desto stärker traten Abwehrinstinkte seitens der Berliner Christdemokraten zu Tage. Die „Hugenotten" galten in manchem Ortsverband als Eindringlinge, die es darauf abgesehen hatten, unter Umgehung der „Ochsentour" quer durch die Parteihierarchie schnell lukrative Parlamentsmandate oder sonstige Pöstchen zu ergattern.

Nooke brachte im Dezember 2002 das Fass zum Überlaufen, als er ein Thesenpapier zur Zukunft Berlins präsentierte. Der CDU-Landesvorstand warf Nooke „Ideenklau" vor. Denn zur gleichen Zeit war eine beim Parteivorstand angesiedelte „Hauptstadtkommission", deren Mitglied Nooke bis heute ist, ebenfalls mit der Erarbeitung eines Zukunftspapiers befasst. Nooke bestritt indes vehement, die Gedanken der Landesvorständler abgekupfert zu haben.

Zu diesen Vorwürfen gesellte sich unterschwelliger Neid, weil es den „Hugenotten" auf Grund ihrer exzellenten Vernetzung mit der Bundes-CDU gelungen war, kurzfristig solch hochkarätige Gesprächspartner wie die Bundesvorsitzende Angela Merkel oder Ex-CDU-Chef Wolfgang Schäuble zu gewinnen.

Eine Entgleisung des „Hugenotten" Georg Eickhoff, der nach dem Tod des Berliner CDU-Urgesteins Peter Kittelmann einen geschmacklosen Kittelmann-Witz verschickte, ließ weiteres Porzellan zerbrechen .

Am vergangenen Donnerstag starteten Landesvorstand und „Hugenotten" einen gemeinsamen Versuch, aufeinander zuzugehen. Man traf sich zum Disput über die beiden Hauptstadtpapiere. Hierbei zeigte sich, dass die Hugenotten in ihren konzeptionellen Vorstellungen konkreter und näher an der Realität sind als der Landesvorstand. Ob das jedoch dazu führen wird, auf dem Landesparteitag im Mai zumindest einen „Hugenotten" in den Landesvorstand zu wählen, ist unklar. Landeschef Christoph Stölzl weicht auf entsprechende Fragen mit der Antwort aus: „Über die Zusammensetzung des künftigen Vorstandes habe ich mir noch keine Gedanken gemacht."

Nur eines lassen Vorstandsmitglieder hinter vorgehaltener Hand immer wieder durchblicken: Nooke, dem Ambitionen auf einen der Stellvertreterposten nachgesagt werden, sei nach den Dezember-Querelen nicht mehrheitsfähig.