Gesprächskreis Hauptstadtunion
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Tagesspiegel, 18. Dezember 2002

"Meine Hauptstadt ist mein Kiez"

Georg Eickhoff, Mitgründer der CDU-„Hugenotten", verteidigt das Metropolen-Thesenpapier


Herr Eickhoff, wie sind die Hauptstadt-Thesen der „Hugenotten" zu Stande gekommen?

In unserem Gesprächskreis diskutieren wir seit Monaten über die Rolle Berlins als deutsche Hauptstadt. Das Thesenpapier, das jetzt dabei herausgekommen ist, richtet sich zunächst an die „Hugenotten" selbst, damit sie sich mehr als bisher in Berlin einbringen. Dazu hat uns der CDU-Landesvorsitzende Christoph Stölzl ausdrücklich aufgefordert.

Die Berliner CDU-Führung, einschließlich Herrn Stölzl, ist verärgert, weil die „Hauptstadt-Union" ihre Thesen öffentlich diskutiert. Können Sie sich den Ärger erklären?

Das kann ich im Moment nicht so richtig einsortieren. Wer gute Ideen für unsere Hauptstadt hat, sollte sie aufschreiben dürfen. Mehr ist nicht geschehen. Daran ist doch nichts Verwerfliches.

Ihre Thesen dienen nur der Eigenmotivation der „Hugenotten" und sind kein Beitrag zur Erneuerung der Berliner CDU?

Wir wollen insgesamt die Hauptstadtdebatte befördern und mit Inhalten füllen, und es ist nur selbstverständlich, dass sich der CDU-Landesverband an dieser Diskussion beteiligt. Unser Thesenpapier ist ein Beitrag dazu. Einer von hoffentlich vielen anderen.

Einige Autoren der Hauptstadt-Thesen sind im bundespolitischen Umfeld tätig. Erklären im „Hugenotten"-Papier ein paar kluge Außenstehende den Berlinern, wo es lang geht?

Ach wo. Meine Hauptstadt ist mein Kiez. Und mein Kiez ist meine Hauptstadt. Ich wohne in Berlin, ich arbeite in Berlin, hier geht mein Sohn zur Schule. Berlin ist meine Heimat geworden, für die ich meinen kleinen Teil der Verantwortung übernehmen will. Auch die anderen Autoren des Papiers sind in Berlin verwurzelt, auch wenn sie berufliche und Lebenserfahrungen von außerhalb in die Stadt hereinbringen.

Berlin als Hauptstadt der Deutschen – ist das der Themenkreis, mit dem sich die „Hugenotten" befassen?

Wir haben auch schon Vorschläge zur Haushaltssanierung und Schulpolitik gemacht. Uns beschäftigt alles, was mit dem hauptstädtischen Leben zu tun hat.

Der CDU-Landesvorstand hat eigene Kommissionen, um die Politik der Union in Berlin zu erneuern. Ein Parteitag soll darüber im Juni 2003 beschließen. Kommen die „Hugenotten" den Parteigremien nun in die Quere?

Günter Nooke und Martin Schulz, die an den Hauptstadt-Thesen der „Hugenotten" mitgewirkt haben, sind gleichzeitig Mitglieder der Hauptstadt-Kommission des CDU-Landesvorstands. Selbstverständlich nehmen wir am innerparteilichen Diskussionsprozess teil. So wie andere CDU-Mitglieder auch.

Das Gespräch führte Ulrich Zawatka-Gerlach.



Keine Schnapsidee

Acht Stunden hat es gedauert, um den „Thesen für die Hauptstadtdebatte" den letzten Schliff zu geben. Eine Flasche lettischen Schnapses hat die Endredaktion nicht überlebt. Die „CDU-Rebellen" hatten Spaß daran, sich über die Zukunft Berlins neue Gedanken zu machen. Nur der CDU-Landesvorstand ärgert sich. Sind es wirklich Rebellen? Schauen wir uns einige Autoren des Papiers etwas näher an:

Günter Nooke ist Berliner CDU-Bundestagsabgeordneter. Ein ehemals Grüner, vorher DDR-Bürgerbewegter. In der CDU/CSU-Fraktion jetzt zuständig für die Kulturpolitik. Georg Eickhoff, Bildungsreferent in der baden-württembergischen Landesvertretung, hat unter anderem in Madrid und Texas studiert und Schlagzeilen gemacht, als er mit seiner Kandidatur für Platz 1 der CDU-Bundestagslandesliste den Sturz Eberhard Diepgens einleitete. Matthias Graf von Kielmansegg leitet die Planungsgruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Seine berufliche Laufbahn hat er in der Berliner Senatskanzlei begonnen; erst zuständig für Europa, dann für die Flughafenprivatisierung. Markus Schulz ist Geschäftsführer der nordrhein-westfälischen CDU-Landesgruppe im Bundestag. Alle sind Mitglieder der Berliner CDU und gehören zum Gesprächskreis „Hauptstadt-Union" – auch „Hugenotten" genannt. za