Gesprächskreis Hauptstadtunion
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Berliner Zeitung, 21. Dezember 2002

Warum sachlich, wenn's auch persönlich geht

Jan Thomsen

Es ist nicht ganz klar, wie die Spitze des ansonsten zerstrittenen CDU-Landesverbands Berlin ihren kleinen Coup sieht. Vielleicht so: Dem haben wir es aber gezeigt! Dem Günter Nooke nämlich. Denn die aus nur sechs Berlinern bestehende Landesgruppe der Hauptstadt-CDU im Bundestag hat ihren Chef Nooke gestürzt. Warum? Weil Nooke, so sagen die Abwähler, unabgesprochen und viel zu früh ein Papier mit Thesen zur Reform des Landesverbands und zur Hauptstadtfrage veröffentlicht habe. Das überdies noch Neu-Berliner unterschrieben haben - also Zugezogene, Auswärtige. Fremde halt. Was für eine Zumutung!

Tatsächlich hat die Landes-CDU keinen Grund zu frohlocken. Denn sie hat es mit dieser spontanen Abwahl nicht Nooke gezeigt, den sie schon im Landesvorstand nicht haben wollte, sondern sie hat es sich selbst gezeigt. Auf ein sachliches Angebot zur Debatte haben die Ur-Berliner auf ihrem Niveau geantwortet: persönlich. Zwar gibt es Kommissionen, die über ein neues Parteiprogramm reden. Aber sie tun es hinter verschlossenen Türen. Zwar wirft mal der eine, mal der andere ein Thesenpapier ab, wie kürzlich erst wieder der Berliner Fraktionschef Frank Steffel. Aber die Reaktionen gehen jeweils gegen den Schreiber, die Inhalte sind ganz gleichgültig. Und so schlingert dieser reformunfähige Apparat namens CDU Berlin zwischen Landeschef Stölzl und Fraktionschef Steffel hin und her. Im Frühjahr sind Neuwahlen, vom kleinsten Ortsverband bis zum Landesvorstand. Die inhaltliche Debatte steht bei der Vorbereitung hintan.