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Berliner Morgenpost, 21. Dezember 2002

Günter Nooke: Hugenotte auf der politischen Achterbahn

Einst Hoffnungsträger und Spitzenkandidat, muss der bisherige Vorsitzende der Berliner CDU-Landesgruppe in seiner Partei zahlreiche Tiefschläge hinnehmen

Von Karsten Hintzmann

So hatte sich Günter Nooke (CDU) seinen vorletzten Arbeitstag dieses Jahres im Bundestag nicht vorgestellt. Als er zur turnusmäßigen Sitzung der sechsköpfigen Berliner CDU-Landesgruppe erschien, wehte ihm frostige Ablehnung entgegen. Seine fünf Parteifreunde teilten ihm mit, dass sie ihn aufgrund seiner «unabgestimmten Öffentlichkeitsaktivitäten» für die CDU-«Hugenotten» vom Amt des Vorsitzenden der CDU-Landesgruppe abwählen würden.

Kurz darauf war es geschehen: Anstelle von Nooke wurde Parlamentsneuling Roland Gewalt der Posten übertragen. Nooke war baff, schwer enttäuscht und sprach von einem «inakzeptablen Verfahren».

Doch scheint die handstreichartige Ablösung von dem einflussarmen Job als Vorsitzender der Berliner Mini-Gruppe symptomatisch für Nookes politische Karriere zu sein, die in den vergangenen zwölf Monaten einer Achterbahnfahrt glich. Zwölf Monate, in denen der Ex-Bürgerrechtler und Mitbegründer des «Demokratischen Aufbruch» mal Hoffnungsträger und Spitzenkandidat, aber auch Verlierer und Quertreiber war.

Im Januar hatte Nooke dem Langzeitlandesvorsitzenden der Berliner CDU, Eberhard Diepgen, mutig die Stirn geboten. Er, der in der Lausitz-Stadt Forst geborene Diplom-Physiker, der 1996 in die CDU eingetreten war, wollte für den symbolträchtigen Bezirk Mitte in den Bundestagswahlkampf ziehen. Ein letztes Mal setzte sich Diepgen durch, er bekam den Wahlkreis Mitte und sollte nach dem Willen des CDU-Vorstandes auch Spitzenkandidat werden.

Auf der CDU-Landesvertreterversammlung Mitte Februar schlug dann Nookes große Stunde. Diepgen wurde als Spitzenkandidat versenkt, Nooke auf Platz eins der CDU-Landesliste gesetzt. Das positive Abschneiden der Berliner CDU bei der Bundestagswahl konnte er auch in der persönlichen Erfolgsbilanz abheften.

Der Höhenflug der ersten Monate dieses Jahres endete für Nooke auf dem Wahlparteitag der Berliner CDU im Mai. Im Vorfeld hatte Nooke, der dank seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender der CDU-CSU-Bundestagsfraktion durchaus über bundespolitische Reputation verfügt, damit geliebäugelt, einen Platz als stellvertretender Landesvorsitzender zu ergattern. Diesen Traum machte der neue CDU-Chef Christoph Stölzl zunichte, der Nooke bis heute nicht zu seinen Vertrauten zählt.

Nach der Bundestagswahl musste Nooke gleich mehrere Schlappen wegstecken. Er verlor sein Amt als Sprecher der 39 CDU-Ost-Abgeordneten an Arnold Vaatz aus Sachsen, wurde infolgedessen auch seinen Job als Fraktionsvize los und dann nach nur sechswöchiger Amtszeit den Vorsitz der Berliner CDU-Landesgruppe.

Ein Ende der Tiefschläge ist nicht absehbar, denn die Parteispitze ist stark verärgert darüber, dass Nooke mit Thesen zur Reformierung der Landespartei «eigenmächtig und zur Unzeit» in die Öffentlichkeit gegangen ist. Sein nach wie vor gehegter Traum vom Aufstieg zum Parteivize dürfte sich daher auch auf dem nächsten Parteitag im Frühjahr kaum erfüllen.