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Berliner Zeitung, 16. Januar 2003

Die neue Ehrlichkeit

Christine Richter

Was auf den ersten Blick wie eine schlechte Nachricht über die Berliner CDU aussieht, stellt sich beim zweiten Hinschauen ganz anders dar: Die CDU hat im letzten Jahr zwar 1 300 Mitglieder verloren und kommt jetzt nur noch auf 14 300 Parteimitglieder, doch das ist kein Grund zu Jammern. Die meisten Mitglieder sind nämlich nicht wegen der schlimmen Wahlniederlage im Herbst 2001, wegen der Endlos-Querelen um CDU-Fraktionschef Frank Steffel oder wegen des elenden Kleinkrieges im CDU-Kreisverband Steglitz-Zehlendorf ausgetreten. Nein, der Landeschef Christoph Stölzl, jetzt knapp ein Dreivierteljahr im Amt, hat durchgesetzt, dass die Karteileichen entfernt werden. Mit Erfolg.

Die Zeit des Schummelns ist damit in der Berliner Union erst einmal vorbei. Denn von der Zahl der Mitglieder ist die Anzahl der Delegierten abhängig, die auf einem Parteitag - sei es im Kreisverband oder auf Landesebene - über das Wohl und Wehe der Partei bestimmen. Je mehr Mitglieder, umso mehr Delegierte, also auch umso mehr Einfluss. Das gilt im übrigen für alle Parteien. In der Berliner CDU nahmen es einige Kreisverbände in der Vergangenheit nicht so genau mit ihren zahlenden Mitgliedern. Um mit möglichst vielen Delegierten vertreten zu sein, wurden auch die Monatsbeiträge für die Karteileichen bezahlt. Hauptsache, man hatte die Mehrheit auf dem Parteitag. Wie sehr da geschummelt wurde, zeigt die neuste Mitgliederliste: In Friedrichshain-Kreuzberg gibt es auf einmal 200 Mitglieder weniger, aber auch in Steglitz-Zehlendorf wurde versucht, über Mitgliederlisten Politik zu machen: 400 Namen mussten jetzt gestrichen werden.

Die Berliner CDU hat sich mit der Bereinigung ihrer Karteien für eine neue Ehrlichkeit entscheiden. Das ist die gute Nachricht.