Gesprächskreis Hauptstadtunion
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Neues Deutschland, 24. Januar 2003

Meine Sicht

Die Obrigkeit soll es richten

Von Rainer Funke

Lahm, verunsichert, orientierungslos, zerstritten – so darf man die derzeitige Berliner CDU getrost charakterisieren. Und das sollte man auch gar nicht beklagen. Nach dem, was sie bekanntlich der Stadt und ihren Bürgern die letzten Jahre an Ungemach bereitet und an Unrat hinterlassen hat, dürfte christlich-demokratische Demut durchaus mehr als angemessen sein.

Jetzt soll's die große Vorsitzende Angela Merkel richten und eingangs nächsten Monats einen Vortrag vor versammelter Mann- und Frauschaft halten, was die Haupt-CDU (Bund) von der Neben-CDU (Berlin) denn erwarte. Aber selbst das provoziert momentan bei den berlinischen Christdemokraten demonstratives Schweigen und lautes Murren zugleich.

Denn eingeladen haben nicht die hiesigen lokalen Spitzen, sondern die selbst so genannten CDU-»Hugenotten« mit ihren etwa 60 Seelen, aber solchen, die zumeist nicht in dieser Stadt angesiedelt sind, aber in irgendeinem Ministerium hocken und von dort her Stölzl, Steffel und Co. vorschreiben wollen, was sie zu tun und zu lassen haben.

Die wiederum sinnen jetzt darüber nach, wie man Merkels Angela wieder ausladen könnte, ohne Ihre CDU-Obrigkeit auch nur ansatzweise zu desavouieren. So bliebe dann alles beim Alten. Die »Hugenotten« mischen mit ihren Ideen die Hauptstadtversion ihrer Partei auf. Die wiederum ist ob dessen beleidigt. Und verharrt deshalb im Stillstand.

Eine rot-rote Koalition hätte eine bessere Opposition verdient, wenn man sich mal die Grünen für einen winzigen Moment wegdenken würde.