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Berliner Zeitung, 3. Februar 2003

Kommentar

Ein Termin mit Aussicht

Jan Thomsen

Nur ein Termin sei das am kommenden Mittwoch, sagt Angela Merkel. Wir haben die Vorsitzende halt mal zu einem Vortrag eingeladen, sagt Günter Nooke. Das ist doch kein Problem, sagt Christoph Stölzl. Dies alles stimmt zwar - und ist doch gelogen. Denn wenn die CDU-Bundesvorsitzende Merkel zu Berliner Christdemokraten sprechen will und dabei nicht den Kreis des Landes-CDU-Chefs Stölzl bevorzugt, sondern lieber vor den Leuten des Landes-CDU-Kritikers Nooke spricht, dann bedeutet das etwas. Es signalisiert, dass sie den einen, Nooke, stärken will. Und den anderen, Stölzl, nicht. Was aber bedeutet das?

Merkel kennt den desolaten Zustand der Berliner CDU nach einem Jahr in der Opposition genau. Weder Stölzl noch Fraktionschef Frank Steffel haben die Partei erneuert. Steffel, seit der Wahl unbeliebtester Politiker der Stadt, spaltet inzwischen die eigenen Abgeordneten in Vasallen und Verächter; Stölzl, parteipolitisch überfordert, träumt nach wie vor von einer großbürgerlichen Renaissance der Konservativen, für die es in Berlin keine Basis gibt.

Zwar ist auch Nooke schon mal gescheitert in der CDU Berlins. Doch die größeren Chancen, wirklich etwas zu bewegen, räumt Merkel offenbar ihm ein. Natürlich ist das nicht uneigennützig. Wenn Nookes Schar zugezogener Christdemokraten im Landesverband an Einfluss gewönne, dann könnte auch Merkel eine breitere Basis entwickeln für ihre Pläne - als Kanzlerkandidatin. Denn 2006 sind Wahlen. Im ganzen Land und in der Bundeshauptstadt Berlin.