Gesprächskreis Hauptstadtunion
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Berliner Zeitung, 6. Februar 2003

Angela Merkel übernimmt die Moderation

Vortrag beim Kreis Hauptstadtunion / "Hugenotten" sollen in der Berliner CDU mitarbeiten

Christine Richter

Die Plätze sind dicht besetzt, an diesem Mittwochabend in der CDU-Bundeszentrale am Klingelhöfer Dreieck. Einen spannenden Abend erwarten die rund 200 Teilnehmer, denn die CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel ist zum Vortrag bei dem Gesprächskreis Hauptstadtunion geladen.

"Hugenotten" nennen sich die Teilnehmer dieses Gesprächskreises um den Berliner Bundestagsabgeordneten Günter Nooke (CDU) auch gerne. Zu ihnen zählen Abgeordnete, Mitarbeiter in Landesvertretungen oder im Bundestag, die noch nicht lange in der Stadt sind. Sie wollen hören, was Angela Merkel denn zu sagen hat zur Berliner CDU, vor allem zum Streit zwischen Nooke und dem Landesvorsitzenden Christoph Stölzl. Weil Nooke Ende des Jahres ohne Absprache ein Hauptstadt-Papier veröffentlichte, gibt es Ärger. Außerdem will Stölzl keine "Parallel-CDU", sondern fordert, dass die "Hugenotten" in der Partei mitarbeiten müssten.

Angela Merkel macht aus ihrer Meinung keinen Hehl. Den Gesprächskreis findet sie toll, weil die CDU immer neue Anregungen brauche, weil die Partei sowieso nicht mehr in den traditionellen Strukturen arbeiten könne. Aber die "Hugenotten" sollten sich integrieren, nicht von außen Ratschläge geben, sondern sich auf die Berliner CDU-Mitglieder, auf die Ortsverbände einlassen. "Ich arbeite immer für die Integration der Hauptstadtunion in die Ortsstruktur", sagt Merkel und fügt hinzu: "Wenn wir es schon nicht schaffen, die Türken in Deutschland zu integrieren, dann aber doch die Hauptstadtunion." Da müssen auch diejenigen lachen, die die Berliner CDU ganz schrecklich finden.

In ihrem Vortrag geht Merkel wenig auf die Probleme der Berliner Union ein. Sie spricht über die hohe Arbeitslosigkeit, den Erfolg der Union in Hessen und Niedersachsen, die Außenpolitik, die Herausforderungen an die Partei. Ein paar kleine Anspielungen ("Wenn man Karriere machen will, muss man den Ortsverband achten"), dann folgt die Aussprache. Etliche Vertreter der "Hugenotten" wollen wissen, ob sich nicht etwas ändern muss in der Berliner CDU. Nur wenn man sich vom Ortsverband die Hühnerleiter hinaufarbeite, dürfe man mitreden, sagt ein Redner. Müssten statt ausgewählter Delegierter auf Kreisparteitagen nicht vielmehr die Mitglieder in einem Kreisverband die Kandidaten bestimmen - beispielsweise für den Bundestag? Müsse sie, die Bundesvorsitzende, darauf nicht Einfluss nehmen? Merkel sagt "Ja", dann "Nein". Sie halte es für gut, wenn die Mitglieder in solchen Fragen direkt mitbestimmen könnten, das aber müssten die Berliner Christdemokraten schon selbst entscheiden. "Von oben kann man das nicht anordnen", sagt Merkel.

Die CDU-Bundesvorsitzende verleugnet nicht, dass ihr der Landesverband wichtig ist. "Wir werden mit Sympathie und Zeiteinsatz die Entwicklung der Berliner CDU begleiten", gibt sie den Zuhörern mit auf den Weg. Aber die "Hugenotten" mögen auch bitte nicht übertreiben. "Verklären Sie nicht die Orte, wo Sie herkommen", sagt sie. Auch in Köln oder Bonn habe es Probleme in den Kreisverbänden gegeben. "Berlin hat was", sagt Merkel.

Nach eineinhalb Stunden Debatte muss die Parteichefin gehen. Im Streit zwischen Nooke und Stölzl hat sie moderiert, beilegen müssen ihn die beiden selbst.