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Berliner Morgenpost, 28. Februar 2003

Plädoyer für Urwahlen

CDU-Landesschatzmeister: Kungeleien verhindern

Von Stefan Schulz

Die Berliner CDU hat im vergangenen Jahr einen Überschuss von 350 000 Euro erwirtschaftet. Die Partei plagen aber noch immer Schulden in Höhe von 1,14 Millionen Euro. Nach Berechnungen von Landesschatzmeister Marc-Aurel von Dewitz dauere es bei weiterer ordentlicher Finanzführung dreieinhalb Jahre, bis die Union wieder schuldenfrei sei.

Im Landesvorstand habe er nicht durchsetzen können, die Mitgliedsbeiträge zu erhöhen. Durchschnittlich zahlt ein Christdemokrat rund sechs Euro pro Monat. Die Beiträge hätten zum Schuldenabbau ebenso wenig beigetragen wie die etwa 80 000 Euro Spenden, die die Partei 2002 einwarb. "Ich bin aufgerufen, neue Wege zu gehen", sagte Dewitz, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Deutschen Bank.

Erster neuer Weg: Ein Fundraising-Essen mit Ex-Kanzler Helmut Kohl für 5000 Euro pro Person. Der Landesschatzmeister, erst seit vergangenem Jahr im Amt und seither auch erst Mitglied der CDU, äußerte sich am Mittwochabend beim Stammtisch von Ex-Senator Peter Luther eigentlich zum Thema "Was braucht die Berliner CDU, will sie die nächsten Wahlen gewinnen?" Dafür gibt es aus Sicht von Dewitz im Wesentlichen nur eine Antwort: "Wir können nur mit Geschlossenheit zum Erfolg kommen." Öffentliche Auseinandersetzungen trügen nicht dazu bei, Vertrauen beim Wähler zu gewinnen.

Dewitz ruft dazu auf, auch innerparteilich neue Wege zu gehen. Zum Beispiel würden Urwahlen auf Kreis- oder Landesebene die Kungeleien in der Partei vermeiden. Dewitz, der sich selbst als politischer Quereinsteiger bezeichnet und dem die innerparteilichen Gegebenheiten nach einem Jahr CDU-Mitgliedschaft noch recht unbekannt sind, warb dafür, auch externe Ratgeber stärker zu Rate zu ziehen. So sollte man der Hauptstadt-Union mehr Beachtung schenken. Die mit dem Regierungsumzug nach Berlin gekommenen westdeutschen Christdemokraten müsse man besser in die Partei integrieren.

Das stieß am Mittwoch an der Basis aber auf starke Skepsis. Die "Hugenotten" sollten sich selbst stärker vor Ort einbringen, so ein CDU-Ortsvorsitzender, anstatt immer nur Papiere zu schreiben.