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Berliner Zeitung, 5. März 2003

CDU leitet Verfahren gegen Hugenotten ein

Eickhoff verbreitete Kittelmann-Witz per Mail

Christine Richter

In scharfer Form hat der CDU-Landesverband am Dienstag auf das Verhalten des CDU-Politikers Georg Eickhoff reagiert. Eickhoff hatte, wie berichtet, am Montag einen Witz über den am Wochenende verstorbenen CDU-Abgeordneten Peter Kittelmann per Mail verbreitet. Die Einleitung von Ordnungsmaßnahmen gegen Eickhoff werde nun geprüft, sagte die Generalsekretärin der Berliner CDU, Verena Butalikakis.

Ordnungsmaßnahmen reichen von einer Verwarnung, der zeitlich befristeten oder unbegrenzten Enthebung von Parteiämtern bis zum Parteiausschluss. Das Vorgehen Eickhoffs sei "nicht nur ein Verstoß gegen die Regeln menschlichen Anstands, sondern auch gegen die Satzung und die politischen Grundsätze der Christlich Demokratischen Union", sagte Butalikakis. Wer aus den Reihen der Berliner CDU sich so verhalte, schade auch dem Ansehen der Partei. Eickhoff hatte die E-Mail zunächst damit begründet, dass die Karnevalssitten "rau" seien. Einige Stunden später entschuldigte er sich, dass er "unbedacht eine pietätlose Bemerkung weiterverbreitet habe". Dies tue ihm sehr Leid, so Eickhoff. Der CDU-Politiker war Bundestagskandidat in Lichtenberg und organisiert den Gesprächskreis Hauptstadtunion mit. Die Teilnehmer dieses Kreises sind als "Hugenotten" bekannt geworden, da sich dort viele Neuankömmlinge in Berlin treffen.

Auch in den CDU-Kreisen wurde die Mail mit Empörung aufgenommen. "Der Vorgang ist skandalös und geschmacklos", hieß es mehrfach. Peter Kittelmann war am Wochenende einem Krebsleiden erlegen. Er galt als graue Eminenz der Berliner CDU, in die er in den sechziger Jahren eintrat. Den Kreisverband Tiergarten führte er seit 1969, nach der Wende leitete er bis zu seinem Tod den fusionierten Kreisverband Mitte. Kittelmann, der seine Frau Marion und drei erwachsene Söhne hinterlässt, wird am Dienstag beerdigt. (cri.)