Gesprächskreis Hauptstadtunion
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Stuttgarter Zeitung, 7. März 2003

Schavans Mann in Berlin mischt die Hauptstadt-CDU auf
 
Der Vertreter des Kultusministeriums agiert an der Spree als Parteirebell - Nach schlechtem Witz droht ihm eine Ordnungsstrafe
 
Annette Schavan hat ihn einst entdeckt und gefördert. Im Ministerium und in der CDU arbeitete Georg Eickhoff (37) in ihrem engeren Umfeld. Nun aber droht seiner Parteikarriere ein herber Knick.

Von Andreas Müller

Dem Cusanuswerk hat Georg Eickhoff (37) einiges zu verdanken. Acht Jahre lang war der Historiker und Hispanist Stipendiat der Studienförderung der katholischen Bischöfe. Auch nach Studium und Promotion profitierte er von der Verbindung: Zum Berufsstart holte ihn die frühere Leiterin des Cusanuswerkes, Annette Schavan, 1996 ins Kultusministerium nach Stuttgart.

Seither zählt Eickhoff - wie seine Förderin aus dem Rheinland stammend - zum engeren Umfeld Schavans. Drei Jahre war er Grundsatzreferent des Ressorts, zwei Jahre Bürochef der Ministerin. Seit 2000 schließlich arbeitet er in der Landesvertretung Baden-Württembergs beim Bund, als "Beauftragter für Bildung und Forschung". Schavans Mann in Berlin - so ließe sich der Job des wissenschaftlichen Angestellten salopp umschreiben. In Bundestag, Bundesrat und den Ausschüssen beobachtet er die Bildungspolitik, um das "Kumi" in Stuttgart stets auf dem Laufenden zu halten.

Aber auch in der CDU engagiert sich Eickhoff im Gefolge Schavans. Parteimitglied wurde er erst mit 31, just zu Beginn seiner Karriere. Was ihn zur Union gebracht habe, sagt der engagierte Katholik, sei vor allem das "C" gewesen. Seit seine Chefin zur stellvertretenden CDU-Bundesvorsitzenden aufstieg, beschäftigte sich ihr Mitarbeiter "immer mehr mit der Bundespolitik". Auch in der Schavan-Kommission, die die "bildungspolitischen Leitsätze" der Union formulierte, durfte er mitarbeiten. Die Erneuerung der Partei, schwärmt Eickhoff, habe er auf diese Weise "sehr intensiv miterlebt".

Nach seinem Wechsel nach Berlin kümmert er sich dort ebenfalls um die Erneuerung der CDU - und hat es in der Hauptstadt damit zu einer gewissen, zuletzt etwas zweifelhaften Bekanntheit gebracht. Es begann im Vorfeld der Bundestagswahl. Die ersten Schlagzeilen erntete Eickhoff, als er dem früheren CDU-Landeschef Eberhard Diepgen Platz eins der Landesliste streitig machte und dessen Abgang damit zumindest beschleunigte. "Grüß Gott, ich hab den Diepgen gestürzt" - so empfahl er sich als Bundestagskandidat im aussichtslosen Ostberliner Wahlkreis Lichtenberg. Mit dem Mandat wurde es zwar nichts, aber seither ist Eickhoff einer der Wortführer einer Rebellenbewegung in der Hauptstadt-CDU.

"Hugenotten" heißt der Gesprächskreis, der sich im Dezember just im Weinkeller der baden-württembergischen Landesvertretung konstituierte. Wie einst die Zuwanderer sind die Mitglieder von außen, mit dem Regierungsumzug, nach Berlin gekommen. Und wie jene wollen sie die Stadt, vor allem aber die Partei mitgestalten. Frischer Wind soll durch die Hauptstadt-CDU wehen, in der jahrzehntelang die gleichen Seilschaften das Sagen hatten. Weg mit den alten Kadern, neue Leute in die Verantwortung - dafür machen sich die "Hugenotten" stark; nötig sei ein "reinigender Prozess". Die Partei begegnet den Rebellen naturgemäß mit gemischten Gefühlen. "Abwehr schwingt da immer mit", sagt Eickhoff. Auch der CDU-Landeschef Christoph Stölzl würde die Erneuerer gerne stärker einbinden.

Jetzt freilich hat sich Eickhoff erst einmal selbst ausgegrenzt - mit einem geschmacklosen Witz. Zwei Tage nach dem Tod des CDU-Veteranen Peter Kittelmann machte er sich per E-Mail über den legendären "Strippenzieher" lustig. Der ziehe nun im Himmel die Strippen, weshalb nach ihm "nur noch drei" reinkämen: Diepgen und seine Vertrauten. Das Echo war einhellig. "Dumm und herzlos", urteilte Landeschef Stölzl, "gegen die Regeln des menschlichen Anstands" die Generalsekretärin. Nun droht dem Scherzbold ein Parteiordnungsverfahren, das er reumütig auf sich nehmen will. Bei allen Betroffenen hat er sich prompt entschuldigt, aber eigentlich, sagt er, sei sein Fehler "unentschuldbar". Ob der Witz auch dienstrechtliche Konsequenzen habe, wisse er nicht.

Die Parteiarbeit betrachtet Eickhoff zwar als rein "privates Engagement". Doch von seinen Bediensteten erwartet das Land, dass sie sich auch außerhalb des Dienstes mäßigen. Aus dem Hause Schavan gab es gestern freilich nur einen knappen Kommentar: Bei der CDU sei die Ahndung des Ausrutschers "richtig angesiedelt".